Für die neue Ausstellung Mishpocha hat das Jüdische Museum Frankfurt gemeinsam mit Mike D, Frontmann der 80er-Jahre Hip-Hop-Gruppe „Beastie Boys“, eine popkulturelle Auslotung des Hausthemas „Familie“ gewagt. Schon am Eingang stimmt uns ein LED-Schild auf die Leitfrage ein, die uns durch die Ausstellung tragen soll: „What is Mishpocha?“. Die versöhnliche Wirkung von familiärem Zusammenhalt „trotz allem“ ist dabei das führende Narrativ der Ausstellung. Jessica Ostrowicz beispielsweise kittet Brüche in der Familienbiografie mit einer jüdischen Antwort auf die japanische Reparaturmethode für Porzellan Kintsugi. Die Kanten eines zerbrochenen Tellers aus dem Hausstand ihrer Großmutter wurden mit kleinen Steinen beklebt, so wie auf jüdischen Friedhöfen mit Steinen der Toten auf ewig gedacht wird.
Der Untertitel The Art of Collaboration deutet nicht nur auf die Zusammenarbeit mit Mike D hin, sondern ist ebenso eine Einladung zu den Veranstaltungen und Mitmachaktionen rund um die Ausstellung. Die berufene Bedeutung von Musik als Wahlfamilie muss man im ersten, den Familiengeschichten gewidmeten Teil der Ausstellung allerdings etwas genauer suchen. Dafür wurde, in Hommage an die Beastie Boys, eine Open Stage vor dem Museum aufgebaut, die von Künstler*innen bespielt werden kann, aber ansonsten brachliegt. Auch der Playroom im “Squid-Games”-Look mit DJ-Pult, an dem man seine eigenen Beats produzieren kann, macht in voller Runde sicherlich Spaß, auf mich allein wirkt es allerdings weniger einladend.
Dabei hat die Ausstellung eigentlich das Zeug, überzeugend cool zu sein. Das zeigt sich besonders in der Sound- und Videoinstallation zu Sandra Manns ikonischen Fotografien der Frankfurter Clubkultur. Mit den funky Stills in Kombination mit raveigen Sounds, die man selbst verzerren kann, ist es das eigentliche Highlight der Ausstellung. Genau davon hätte man mehr gebraucht. Viele Partyräume sind, besonders nach dem 7. Oktober 2023, für jüdische Teens in Deutschland weggefallen. Gleichzeitig entstehen durch Solidaritätsbekundungen wie vom „://aboutblank“ in Berlin neue Wahlfamilien in der Szene, die gerade für junge Juden*Jüdinnen und Allies Zufluchtsorte geworden sind.
Am Ende bleibt Mishpocha eine Ausstellung, die Spaß macht, hochwertige Kunst zeigt, und das Zeug für echten Pop hat, aber sich manchmal nicht ganz traut, in der Gegenwart anzukommen. Damit es in Zukunft nicht bei einer Mishpoche ohne Kids bleibt, gilt wie so oft auch hier: Mehr Gen Z wagen!
von Sydney Noemi Stein.
Dieser Text erschien erstmals in der 5. EDA-Ausgabe und am 04.09.26 online.

