„Finde deinen Europabezug“
lautete die Aufgabe.
Also setzte ich mich mit meinem Interrail-Ticket in den Zug,
und es entstand meine ganz eigene „Ich reise-durch-Europa“-Ausgabe:
Die Reise begann
und die Suche ging Schritt für Schritt voran.
Ich verstand die Sprache noch gut,
ich fühlte mich wohl, ich hatte Mut.
Doch bald hielt ich in der nächsten Stadt,
und was ich dort erlebte, machte mich platt.
Mein Pass, mein Hintergrund, meine Nationalität
katapultierten mich mit einem Schlag
zurück in die Realität.
Die Kriege alter Zeiten,
deren Schatten stets präsent bleiben,
lassen meine Ängste am Rad drehen,
selbst wenn nur Hände meinen Ausweis sehen.
Man könnte meinen, als Weiße fühle ich mich in Europa stets sicher.
Doch seit einigen Jahren bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Trotzdem stand ich wieder auf,
legte eine neue Schippe Mut drauf,
und die Reise nahm weiter ihren Lauf.
Ich lernte neue Menschen kennen,
gab mich erneut zu erkennen.
Diesmal schickte man mir tatsächlich einen gleichgesinnten Wegbegleiter,
der mich auf meiner Suche brachte weiter.
Er lehrte mich zu vertrauen,
mich selbst wieder aufzubauen,
nicht aufzugeben,
sondern furchtlos und froh zu leben.
So endete diese Reise, diese Geschicht’.
Ob ich jetzt zu Europa gehöre,
weiß ich immer noch nicht,
denn es beschleicht mich das Gefühl:
willkommen bin ich als Jüdin,
als ich selbst
hier einfach
nicht.
von Jasmin Kogan. Sie studiert Angewandte Wirtschafts- und Medienpsychologie (BA). Dieser Artikel wurde zuerst in der 5. EDA-Ausgabe und am 27.8. online veröffentlicht.

