Da erwidert das Licht 

Dezember 1931, Kiel.

Es dämmert, als Rachel Posner, die Frau des Rabbiners Arthur Posner, ihre Kamera nimmt und ein Foto macht. Ein Fenster, eine Chanukkia auf dem Sims.

Draußen wehen Hakenkreuzfahnen, im Haus gegenüber befindet sich die Kreisleitung der NSDAP. In der Wohnung selbst bereitet sich die Familie auf den Schabbat vor. Auf der Rückseite des Fotos hält Rachel Posner einen Gedanken fest:

„,Juda verrecke‘, die Fahne spricht – ,Juda lebt ewig‘, erwidert das Licht.“

Dieses Bild ist heute zu einem Symbol geworden. Es ist kein Foto des Triumphes, sondern ein Bild des Widerstands – eines, das von Hoffnung erzählt.

An Chanukka erinnern wir an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem nach dem Sieg der Makkabäer über die griechischen Herrscher. Bei der Reinigung des Tempels fand man nur einen kleinen Krug geweihtes Öl – gerade genug für einen Tag. Doch das Öl brannte acht Tage lang, bis neues hergestellt werden konnte, sodass das Licht nicht erlosch. Acht Abende lang entzünden wir deshalb die Chanukkia. Wo am Ende der Geschichte das Wunder steht, begann sie mit dem Mut auf ein Wunder zu hoffen. Das Licht wieder zu entzünden, weiterzumachen, obwohl es aussichtslos schien, dass das Öl reichen würde.

Die Chanukkia ins Fenster zu stellen, ist eine besondere Mitzwa. So soll das Wunder verbreitet werden. Pirsum haNes. Nicht nur, um sich selbst daran zu erinnern, sondern als Botschaft für andere. Der Schulchan Aruch verweist jedoch auch darauf, dies in Zeiten von Gefahr zu vermeiden.

Widerstand beginnt mit einer Vorstellung, dass die Welt anders sein kann. Man muss daran glauben, dass es sich lohnt für diese Vorstellung zu kämpfen und den Mut finden zu handeln. Doch es gibt Zeiten, in denen der Mut einen verlässt, in denen alles verloren scheint. An diesem Punkt bleibt nur noch die Hoffnung. 

Hoffnung selbst ist ein Akt des Widerstands – einen Schritt weiterzugehen, gegen alle Widrigkeiten, und darauf zu vertrauen, dass der Ewige einen Schritt auf uns zugeht. Wir feiern an Chanukka, dass wir Zeugen eines Wunders wurden. Deshalb sollten wir dieses Wunder öffentlich machen, weil es Anlass gibt zu hoffen, dass – wie schon Rachel Posner auf dem Foto schreibt – das Licht und nicht die Dunkelheit das letzte Wort haben wird.

von David Goldstein

Dieser Text erschien zuerst in der 4. EDA Ausgabe ( Chanukka Edition Dezember 2025).