Dieses Jahr fallen das jüdische Chanukka und „Yalda“, das am 21. Dezember als längste Nacht des Jahres in verschiedenen Regionen und Kulturen gefeiert wird, zeitlich zusammen. Ich kenne Yalda aus der iranischen Perspektive.
Ursprünglich war Yalda ein religiöser Brauch aus der vorislamischen Zeit. Nachtstunden galten als eine Zeit der Dämonen und anderer Mächte Ahrimans, der das verkörperte Böse darstellte. Insbesondere in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres sollten sie besonders stark und aktiv sein. Daher suchten die Menschen gerade in dieser Nacht den Schutz in der vertrauten Gemeinschaft.
Im mittelaramäischen Dialekt bedeutet „Yalda“ wörtlich „Geburt“. Denn nach der längsten Nacht des Jahres kehrt die Sonne zurück und gewinnt zunehmend an Kraft. Die Nächte werden kürzer und die Tage wieder länger. Die „Geburt“ markiert den Sieg des Lichts über die Dunkelheit und damit den Sieg des Guten über das Böse. Symbolisch wird daher an Yalda ein Feuer entzündet.
Während Chanukka wird an acht Tagen bei Einbruch der Dunkelheit eine Kerze der Chanukkia angezündet. Das jüdische Fest erinnert an den erfolgreichen Aufstand der jüdischen Widerstandskämpfer vor mehreren tausend Jahren gegen ihre Besatzer. Und obwohl der jüdische Tempel entweiht worden war, entstand dort wieder jüdisches Leben!
Yalda und Chanukka sind mehrere tausend Jahre alt und zelebrieren den Neubeginn nach der Dunkelheit, der metaphorisch für den Sieg des Guten über das Böse steht. Auch wenn wir dahingehend sozialisiert worden sind, „die Dunkelheit“ zu fürchten, müssen wir resilient sein und uns gegen sie stellen! Resilienz wurde Menschen mit Iran- und/ oder Israelbezug in den letzten Jahren in besonderem Maße abverlangt, denn sie mussten lernen Unmenschliches zu ertragen und weiterzumachen.
Zugleich lohnt es sich, standhaft zu bleiben. Chanukka und Yalda lehren uns: Auch nach dem Bösen ist ein Neuanfang – die Wiedergeburt des Lichts – möglich. Der Motor der Hoffnung, dass wir – auch als viele kleine Kerzen – wieder Licht ins Dunkel bringen können, darf nicht stillstehen. Mit Resilienz überbrücken wir die Zwischenzeit. Meine jüdische Freundin fragte mich bereits letztes Jahr, ob ich Lust hätte, Chanukka und Yalda 2025 zusammen zu feiern. Gemeinsam als Gemeinschaft überstehen wir die Dunkelheit. Es ist nämlich dieselbe Dunkelheit, die Chanukka und Yalda nun in diesem Jahr zusammen anleuchten.
von Dr. Donja Hodaie
Dieser Text erschien zuerst in der 4. EDA Ausgabe ( Chanukka Edition Dezember 2025).

