Mit „the Thing“ ist jemand sehr konkretes gemeint, nämlich Benjamin Jacob Grimm, der diesen Sommer als Teil der „Fantastic Four“ weltweit auf Filmplakaten zu sehen war.
In den Comics ist dieser Superheld offiziell seit 2002 jüdisch. Davor gab es nur implizierte Hinweise auf die Identität des golemartigen Charakters. Eindeutig wiederum ist, dass einer seiner Erfinder, der legendäre jüdische Comicbuchkünstler Jack „King” Kirby, gebürtig Jacob Kurtzberg, viele seiner biografischen Prägungen in Bens Geschichte inkludierte. Beide wuchsen verarmt in NY auf, gehörten in ihrer Jugend Gangs an und dienten im US-Militär. Kirby erhielt sogar Auszeichnungen als Infanterist im Zweiten Weltkrieg. In vielen Erzählungen, in denen Grimm vorkommt, verkörpert er Jüdinnen*Juden bekannte Erfahrungen. So wird Ben unabhängig davon, was er macht, selbst wenn es Gutes bewirkt, von der Gesellschaft konstant entmenschlicht. Gleichzeitig spielt, insbesondere seit den 2000ern, zusätzlich zu der Konfrontation von Vorurteilen, Bens jüdische Identität eine zentralere Rolle in seinen Geschichten. Das Judentum wird für ihn eine aktive Quelle der Kraft und spiritueller Orientierung. Zudem bemüht sich Ben, neben seiner Verantwortung als Verteidiger der Erde, in dem sehr jüdisch geprägten Viertel, wo er aufgewachsen ist, seine Community zu unterstützen. Ich kann dafür Fantastic Four Vol 3 #56 (2002) und Thing Vol 2 #78 (2006) herzlichst empfehlen.
Ein weitere inspirierende jüdische Superheldin ist Katherine Anne „Kitty“ Pryde. Ihr Familienname (Stolz) ist Programm. In ihrer allerersten Erscheinung 1979 trägt sie ihre Magen-David-Kette und gilt als die erste bekennende jüdische Protagonistin in einem Mainstream Comic. Der jüdische Autor Chris Claremont, welcher sie mitgestaltete, arbeitete 1971 in einem Kibbuz täglich mit Überlebenden der Schoah zusammen. Dies prägte seine künstlerische Tätigkeit nachhaltig. So gab er 1981 zu, dass seine X-Men, ein Team heroischer Mutant*innen zu denen auch die dunkellockige Kitty zählt, widerspiegeln, wie reale gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten wirken und sich Betroffene widersetzen. Kitty nutzt ihre empathische Chuzpe gepaart mit Superkräften, um ihre jüdische, „mutantische“ und auch bisexuelle Identität sichtbar auszuleben und sich gegen Diskriminierung lautstark auszusprechen. Intersektionalität ist ein Thema, das sich durch einige ihrer Geschichten zieht. Dafür kann ich folgende Leseempfehlungen geben: Marauders Vol 1 #12 (2020), X-Men Unlimited Vol 1 #38 (2002) und All-New X-Men Vol 1 #13 (2013).
Die Geschichten von Kitty und Ben sind zwar fiktiv, gewähren allerdings Einblicke in diverse jüdische Lebensrealitäten und Jüdinnen*Juden eine Quelle empowernder Inspiration.
von Kiril ליאור Denisov
Dieser Text erschien zuerst in der 4. EDA Ausgabe ( Chanukka Edition Dezember 2025).

