Words with Hanna

When the world around us turns cold, we light the fire. 

Wenn die Zeiten schwierig sind und das gesellschaftliche Klima kühl wird, steht jeder von uns vor zwei Möglichkeiten: Wir können eine Jacke anziehen, damit es uns selbst wärmer wird, oder wir entzünden ein Feuer und erwärmen damit nicht nur uns, sondern auch die Welt um uns herum. 

Ich schreibe diese Zeilen auf dem Rückweg von der Summer U der European Union of Jewish Students (EUJS). Für eine Woche trafen sich junge Jüdinnen und Juden in den bulgarischen Bergen, um gemeinsam zu diskutieren, zu feiern und über die politische Zukunft der Organisation zu entscheiden. In Debatten darüber, wie wir in Zukunft mit politischen Extremen umgehen, bis zur Frage danach, wie wir auf die Entwicklungen in Israel blicken, wurde junge jüdische Zukunft verhandelt. Was viele von uns in diesen Zeiten vergessen, ist, dass wir nicht die erste Generation junger Jüdinnen und Juden sind, die ihre Stimme gegen Ungerechtigkeit und für ihren Platz in Europa erhebt. Wer in die Archive der EUJS blickt, entdeckt Zeitungsartikel und Dokumente aus fünf Jahrzehnten, die jüdische Resilienz spiegeln. Man findet Texte über Delegationen junger Jüdinnen und Juden in Teheran in den 70er-Jahren, um sich mit der jüdischen Community im Iran auszutauschen. Man findet Fotografien von Demonstrationen in den 80er-Jahren, bei denen junge jüdische Erwachsene europaweit für die Rechte von Jüdinnen und Juden in der Sowjetunion protestierten. Wir finden Dokumente, die deutlich hervorheben, dass junge Jüdinnen und Juden ihr Leben noch nie dem bloßen Schicksal überlassen haben, sondern schon immer ihren rechtmäßigen Platz in europäischen Gesellschaften eingefordert haben. Dieses Fundament ist es, auf dem wir unsere politischen Entscheidungen im Hier und Jetzt treffen. Doch vielen von uns ist das nicht einmal bewusst. 

Es ist mein Plädoyer, dass wir diese Geschichte viel stärker unter die Lupe nehmen müssen. Denn darin finden sich genau die Motivation und die Antworten, um die so viele von uns gerade ringen. Der Schriftsteller Bruce Feiler schreibt in seinem Buch „The Secrets of Happy Families“ (2013), dass diejenigen, die ihre Geschichte kennen, am resilientesten sind. Um in diesen politisch mehr als herausfordernden Zeiten weitermachen zu können, müssen wir uns damit auseinandersetzen, auf welcher Vergangenheit und welchen Geschichten unser Engagement und das unserer Organisationen basiert. So entstehen Resilienz und ein wahres Gemeinschaftsgefühl. So entscheiden wir uns dazu, nicht nur eine Jacke überzuziehen, um uns selbst zu wärmen, sondern wir entzünden ein Feuer, das uns und die Generationen nach uns wärmen kann. So wie es Generationen vor uns gewärmt hat.

von Hanna Veiler

Dieser Text erschien zuerst in der EDA III (September 2025).